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01/2006     Jens Pohl   Andreas Marshall     (English Version)


Hallo Andreas! Das neue Jahr hat gerade begonnen, daher: Frohes Neues Jahr! Wie hast du gefeiert?

Ausnahmsweise ganz privat mit meiner Frau. Muss auch mal sein...

Hast du für dich persönlich irgendwelche besonderen Wünsche oder Hoffnungen für 2006? Oder hast du bisher alles erreicht was du wolltest?

Ein grosser Wunsch ist es, dass ich meinen neuen Film, einen Horrorfilm, finanziert bekomme und so drehen kann, wie ich ihn mir vorstelle.

Wie bist du eigentlich zur Malerei gekommen? Kannst du dich noch an dein allererstes Cover erinnern? Für welche Band und welches Album war das?

Mein allererstes Cover war eine Compilation für Noise Records, "Rock from Hell", ziemlich peinlich, bzw. "Orbit Drive" von den 'Dizzy Satellites' oder ein Album der 'Galloping Elephants'. Eines von denen, welches das erste war, weiss ich nicht mehr.

Woran arbeitest du momentan? Oder ist das vielleicht noch ein Geheimnis?

Nachdem ich gerade ein Artwork für die italienische Band 'The Dogma' beendet habe, muss ich jetzt die nächste Arbeitsfassung meines Films "Tears of Kali 2: Tartaros" abliefern. Es soll dieses Jahr gedreht werden, weshalb die Luft brennt. Eine Filmproduktion ist ein so riesiger, vernetzter Prozess, an dem tausend Termine und Entscheidungen hängen, und der sehr schwer in die Gänge kommt...

Bist du mit deinen Artworks eigentlich allgemein immer absolut zufrieden oder meinst du im Nachhinein, man hätte hier und da vielleicht noch etwas ändern können?

Nein, wenn ich unter Zeitdruck arbeiten musste, bin ich selten zufrieden. In 'ner bestimmten Phase musste ich ein Artwork pro Woche zeichnen! Und das ist bei meinem detaillierten Stil indiskutabel. Das mach' ich auch nicht mehr.

Schaue ich mir ein paar deiner Cover für 'Dimmu Borgir' ("Godless Savage Garden"), 'Hammerfall' ("Legacy of Kings") und 'Blind Guardian' ("Nightfall in Middle-Earth") an, so ähneln sich diese doch relativ stark. War dies immer beabsichtigt oder hat sich das einfach so ergeben?

In allen diesen Fällen war das Motiv von der Band so vorgegeben. Der Altar und die Figur, die majestätisch darauf sitzt, sind die Konstanten. Da hatten verschiedene Bands ähnliche Ideen. Aber von der Atmosphäre unterscheiden diese Bilder sich schon sehr.

Das Cover-Artwork für die neue Single von 'Blind Guardian', welches Anthony Clarkson gezeichnet hat, schaut wie eine Kopie deiner Artworks aus und ähnelt stark den zuvor genannten Covern. Ärgert dich soetwas nicht, wenn andere deinen Stil oder deine Ideen kopieren?

Ich kenn' das Artwork nicht, aber ärgern tut es mich nicht. Ich hatte ja auch meine Vorbilder, als ich anfing. Speziell Bernie Wrightson, Barry Windsor Smith und solche Leute. Aber ich denke, mein Stil ist immer rauszusehen.

Das Cover-Artwork von Kris Verwimp des im August 2005 erschienenen Albums "The Revivalry: A Tribute to Running Wild" ist in Anlehnung deiner Artworks für 'Running Wild' entstanden und stellt somit auch einen Tribut an deine Arbeit dar. Hast du das gewusst?

Wusste ich nicht, aber jetzt wo du's sagst. Gefällt mir sehr gut, dieses Artwork von Kris Verwimp. Besonders die märchenhafte Atmosphäre bei dem Schiff und der Stadt, mit dem Blau und den warmen Laternen. Sowas mache ich auch gerne. Hintergründe, in die der Betrachter am liebsten hineinwandern würde. Das nenne ich den "Sense of Wonder" in der Fantasy-Malerei.


Kennst du weitere Kris Verwimp Artworks? Wenn ja, welche gefallen dir persönlich am besten?

Leider kenne ich keine, werde mich aber demnächst mal danach umschaun...

Wie bist du eigentlich in Kontakt mit 'Running Wild' bzw. Rock'n'Rolf gekommen?

Ich kam über die Plattenfirma mit ihm in Kontakt. Die Zusammenarbeit wurde dann mit den Jahren enger, bis ich dann für "Black Hand Inn" nach Hamburg kam und Fotos von Rolf machte, weil er selbst in dem Covermotiv "mitspielt". Er hatte sogar Jugendfotos von sich ausgesucht. Seine Vorstellungen sind immer sehr präzise und "Black Hand Inn" ist für mich auch der qualitative Höhepunkt unserer Zusammenarbeit.

Entstanden deine Artworks für die Band nach deinen Ideen oder hat man dir exakt alle Konzepte vorgegeben?

Das ist von Werk zu Werk verschieden. Manchmal waren bestimmte Lyrics, die Atmosphäre der Musik, der Name des Albums oder bestimmte mythologische Themen der Bands die einzigen vorgegebenen Elemente. Ich schlage dann verschiedene Ideen vor, mache Skizzen, von denen eine genommen wird. In anderen Fällen, bei 'Running Wild' und 'Blind Guardian' zum Beispiel, waren die Konzepte im Detail von der Band ausgearbeitet und hatten auch eng was mit den Lyrics zu tun.

Welches deiner Artworks für 'Running Wild' ist eigentlich dein Favorit und warum?

Wie gesagt, die Atmosphäre von "Black Hand Inn" ist einmalig. Da erzählt sich 'ne ganze Geschichte über das Bild. Rolf als Junge und als alter Mann, dazu die verschrobenen Piratentypen im Hintergrund - das ist schon "Kult". Die fast fotografische Wirkung... Ein sehr gelungenes Gesamtkonzept. Ich mag aber auch "The Rivalry", weil dieses Motiv zwar einfach und klar, aber irrsinnig realistisch im Detail ist. Hier hatte Rolf schon sorgfältig vorecherchiert und Fotos von Uniformteilen und anderen Elementen besorgt, so dass die Details historisch absolut stimmig waren.

Hat man dich nach dem "The Rivalry" Cover bewusst nicht mehr engagiert, hattest du keine Zeit oder gab es vielleicht noch einen anderen Grund?

Genau kann ich mich nicht erinnern, zumal ich damals ein Musikvideo nach dem anderen drehte. Aber zu dieser Zeit kamen immer mehr Computercollagen in Mode und die meisten Bands setzten auf die neuen Techniken. Das verläuft halt immer in Zyklen. Inzwischen scheinen mir wieder Artworks auf dem Vormarsch zu sein.

Wie stehst du persönlich eigentlich zu Covern, die ausschliesslich am Computer erstellt wurden?

Brillant, wenn etwa Dave McKean hinter der Tastatur sitzt. Leider sind sehr viele Cover aber auch einfach öde und unbeholfen. Manche sehen aus wie Schülerzeitungscover...

Neben der Malerei hast du auch eine Menge Werbefilme und Videoclips gedreht. Dein Spielfilmdebüt als Regisseur gab es 2004 für den Film "Tears of Kali". Erzähl doch bitte kurz, worum es in diesem Film geht.

"Tears of Kali" ist ein Episodenhorrorfilm um eine mysteriöse Psychosekte namens "Taylor-Eriksson-Gruppe" aus den 80er Jahren. Er erzählt die unheimlichen und zum Teil grausamen Schicksale von drei Überlebenden der Gruppe, und die dämonischen Kräfte, welche diese unabsichtlich freigesetzt haben...

Wie ist es zu diesem Film gekommen? Hat dich das Thema interessiert?

Ich habe mit einer Schauspielklasse der "Reduta Schauspielschule Berlin" die erste Episode "Shakti" erarbeitet, eine mysteriöse Rätselgeschichte, die in einem Irrenhaus spielt... Produzenten sahen das Material und waren sofort bereit, in den Film zu investieren. Und je weiter die Arbeiten an dem Film fortschritten, desto mehr Leute stiessen zu dem Projekt. Von erfahrenen Crewmitgliedern bis zu namhaften Stars. In Deutschland gibt es nur sehr wenige Leute, die das Handwerk des Horrorfilms beherrschen, ob als Regisseure oder als Produzenten. Deshalb wollen viele Leute aus der Branche dabei sein, wenn mal jemand sich in dieses Genre wagt. Thematisch hat mich sehr interessiert, wie manche Vertreter des sogenannten "New Age" im Bestreben, den Menschen zu verbessern, im "Positive Thinking", in der Sehnsucht nach Harmonie, ihren Schatten und ihre dunklen Seiten verdrängen, bis diese Schatten dann als Dämonen hinterrücks zurückkommen. Man kennt das nicht nur aus der Esoterik, sondern auch in der Politik von radikalen "Gutmenschen", die das Beste wollen und dabei zu gefährlichen Fanatikern werden.

Bist du denn allgemein ein grosser Fan des Horrorfilms?

Ja, das Horror-Genre ist für mich das einzige Genre, in dem spirituelle Themen ausgelebt werden können - ohne Rücksicht auf die Grenzen des Realismus. Horrorfilme faszinieren, schockieren und bringen uns wieder mit der Mythologie in Verbindung.

Hast du vor, noch weitere Filme zu machen?

Natürlich. "Tears of Kali" ist überall auf der Welt auf Festivals gelaufen und hat dabei viele Preise gewonnen. Das schreit geradezu nach einer Fortsetzung. Ausserdem hab' ich drei weitere Drehbücher bei verschiedenen Produktionsfirmen liegen, die auf eine Finanzierung warten. Meine Fantasie fliesst förmlich über vor düsteren Geschichten, die Realität werden wollen!

Na dann auch weiterhin viel Erfolg und besten Dank, Andreas!

Viele Grüsse und ein frohes neues Jahr!
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