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03/2005     Jens Pohl   Matthias Liebetruth     (English Version)


Hi Matthias! Rogues En Vogue, das mittlerweile dreizehnte und für dich jetzt das erste RUNNING WILD Studio-Album steht seit dem 21.02.2005 in den Plattenläden und ist sogar von 0 direkt auf Platz 39 in die deutschen Albumcharts eingestiegen. Allerdings spaltet das Album die Fangemeinde in zwei Hälften. Während die meisten Fans das neue Album abfeiern und der Meinung sind, dass dies ganz klar das beste Album seit der Masquerade ist und sogar den Spirit noch älterer Alben aufleben lässt, ärgern sich die anderen hauptsächlich über den ihrer Meinung nach schlechten Sound bzw. Gesamtmix. Kannst du diese grundverschiedenen Meinungen nachvollziehen?

Für mich ist die Sache ganz klar. Jeder von uns hat seine eigenen Hörgewohnheiten, und wenn du nun auf deiner Anlage - ich meine damit das vertraute Medium zum Hören deiner favorisierten Musik - was hörst, was völlig anders ist, dann gehen die Meinungen natürlich auseinander ...

Meinst du im Nachhinein, dass man, gerade was die von dir eingespielten Drums angeht, vielleicht noch etwas mehr Power bzw. Wucht im Endmix hätte herausholen können, oder bist du mit dem Ergebnis, so wie es jetzt vorliegt, absolut zufrieden?

Hätte herausholen können? Ich sage immer: Hätte liegt im Bette! Wenn das Endergebnis einer CD-Produktion vorliegt, gibt es immer Dinge die man im Nachhinein anders machen würde. Aber während einer Produktion tust du nun mal das, was du in dieser dir zur Verfügung stehenden Zeit für richtig hältst. Und gesammelte Erfahrungen kommen der nächsten CD zu gute - so wächst und entwickelt sich Musik meiner Meinung nach.

Was meinst du, warum teilen sich denn gerade bei diesem neuen Album, von dem ich denke, dass es sogar das beste Album seit der Blazon Stone ist, die Meinungen so sehr?

Manche Menschen mögen Veränderungen, und manche halt nicht. Das kann glücklicher Weise jeder selbst für sich entscheiden.

Ich weiss, dass du, genauso wie Rolf, auch ein eigenes Studio besitzt, in dem du die Drums eingespielt hast. Wie lief denn die Kommunikation zwischen dir und Rolf während der Recording-Session zum neuen Album ab? Hat dir Rolf genaue Anweisungen gegeben, wie die Drums zu klingen haben, oder hattest du völlig freie Hand? Hast du eigentlich von Rolf eingespielte Gitarren-Parts erhalten, so dass du die Drums dazu einspielen konntest, oder hast du Rolf die Drum-Parts vorgegeben und er hat sich dann danach richten können?

Der Grund-Sound der Drums war gemeinsam schnell gefunden, weil unsere Geschmäcker positiver Weise in die gleiche Richtung gehen. Zum Einspielen der Drums bekam ich Rolf's Pilot-Gitarren (vorab für mich zur Orientierung gespielte Gitarren, die dann aber nochmal, nachdem die Drums aufgenommen sind, eingespielt werden). Nachdem ich zwei oder drei Songs gespielt hatte, kamen Rolf und Katharina Nowy in mein Studio zur Abnahme der Drum-Tracks. Hier und da haben wir gemeinsam kleine Änderungen vorgenommen, aber zu 95% wurden meine Drum-Kompositionen übernommen (Yeah!).

Hast du eigentlich einen Lieblingstrack vom neuen Album, den du unbedingt auch gern auf der nächsten Tour live spielen würdest?

"Skeleton Dance", "Angel Of Mercy", "Libertalia" und "Draw The Line" würde ich gerne im Live-Set sehen.

"Libertalia" ist ja DER Killer-Track überhaupt und gehört eigentlich schon jetzt zu den "Classics"! Hier sind sich so ziemlich alle Fans einig, dass dies der beste Track ist, den Rolf jemals geschrieben hat und wir hoffen sehr, diesen auch live zu hören. Von Rolf weiss ich, dass dieser Song relativ spontan entstanden ist. Hast du die Drums hierfür schnell einspielen können, oder hast du etwas länger dafür benötigt?

"Libertalia" war ein Song, der schnell im Kasten war. Ich wusste sofort was ich zu tun hatte ... der Song löst(e) echte Emotionen in mir aus.

Wie lange hat es eigentlich so ungefähr pro Song gedauert, bis die Drums zufriedenstellend bzw. komplett fertig eingespielt waren?

Man sollte nicht vergessen, dass Drums auch erst einmal komponiert werden müssen. Erst dann können sie eingespielt werden. Das Einspielen war nicht sehr zeitaufwendig, aber bis mir die passenden Ideen kamen, ging bei einigen Songs schon ein wenig Zeit ins Land. Für "The War" habe ich über eine Woche gebraucht, bis mir klar wurde, wo der Hase läuft.

Wie stehst du als Musiker bzw. Drummer ganz allgemein eigentlich zu Drumcomputern? Bist du auch der Meinung, dass diese den menschlichen Drummer mittlerweile vollständig ersetzen, also auch deinen Job durchaus gefährden könn(t)en, oder siehst du das etwas differenzierter?

Ich glaube nicht, dass der "menschliche Drummer" ausstirbt. Es gibt immer Musikrichtungen, wo der Drummer seinen Platz hat. Dieses Thema wird meiner Meinung nach seit 25 Jahren völlig überbewertet. Ich erinnere nur mal an die "Eliminator" von ZZ TOP. Die Scheibe ist von 1983 - und die Drums vom Drumcomputer. Das hat niemanden gekratzt, weil die Band und die Songs einfach nur hammergeil sind. Scheißegal wie's gemacht wurde, Hauptsache das gesamte Ding bläst dich weg!

Neben deinen Tätigkeiten bei RUNNING WILD hast du ja noch etliche andere Projekte am Start. So warst oder bist du zum Beispiel als Drum Technician für James Kottak von den SCORPIONS tätig und mit Treibhaus hast du ein Album herausgebracht, welches ganz und gar nicht wie RUNNING WILD, die SCORPIONS oder deinen ehemaligen Bands VICTORY oder HEADCRASH klingt, sondern sich im Hart-Pop Bereich bewegt, durchaus vergleichbar mit RAMMSTEIN. Die Drums sind also ganz klar deine Passion, doch wie kommt man dazu, an so vielen unterschiedlichen Musikrichtungen zu arbeiten? Läuft man da nicht Gefahr, bei einer bestimmten Band plötzlich zu viele Elemente nutzen zu wollen, oder ist das gar kein Problem für dich, sofort umzudenken bzw. sich in den Stil der Band, für die du dann in dem Moment arbeitest, hineinzuversetzen?

Das ist kein Problem, ich verlasse mich da ganz und gar auf meine musikalische Wahrnehmung ... klappt ganz gut soweit.

Zum Schluss noch eine Frage: Wo gibt's das absolut coole T-Shirt, welches du zur Release-Party an hattest? Oder ist das ein Einzelstück mit besonderer Bedeutung, und wenn ja, welche Bedeutung hat es?

Die Frage gefällt mir richtig gut. Am Tag der Release-Party kam ich ein wenig früher in Hamburg an als geplant. Ich stöberte in einigen Klamottenläden auf der Reeperbahn, und habe dieses geile Shirt dabei gefunden (war ein Einzelstück). Es hat aber keine besondere Bedeutung für mich.

Vielen Dank, Matthias!
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