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01/2004     Jens Pohl   Peter Pichl     (English Version)


Hi Peter, bei dir hat man den Eindruck, daß du lieber im Hintergrund stehst. Ist das der Grund, warum es so gut wie gar keine Interviews von dir gibt, oder siehst du deine Prioritäten eher woanders?

Hi Jens, es geht mir als Musiker zunächst im Grunde genommen nur um eines, ich möchte mit den Leuten, mit denen ich auf der Bühne stehe, ein möglichst optimales Ding in Sachen "Energiefluss" (wie ich es mal nennen möchte) entstehen lassen. Irgendwelches Gerede vorher oder hinterher trägt dazu herzlich wenig bei. Vor den Gigs konzentriere ich mich ausschliesslich auf die Show. Hinterher allerdings, vorausgesetzt es war 'ne gute Show (was ja Gott sei Dank meistens der Fall ist), freue ich mir'n Arsch ab, wenn man in die leuchtenden Augen der Fans blicken kann. Trotzdem nehme ich mich auch dann nicht für wer weiss wie wichtig, denn es war die ganze Band, die dieses Leuchten verursacht hat. Und ich bin dann mächtig stolz darauf, dass ich meinen Teil dazu beigetragen habe. Nicht mehr und nicht weniger.

Wenn man RUNNING WILD live sieht stimmt die Chemie bestens, so habe zumindest ich den Eindruck; das sieht man übrigens auch sehr gut auf der LIVE DVD. Wann und wie bist du eigentlich mit Rolf, und damit auch mit RUNNING WILD, in Kontakt gekommen? Man könnte meinen, du und Rolf kennt euch schon etwas länger ... Hattest du vorher schon von RUNNING WILD gehört?

Diese Antwort wird sicher bei vielen Leuten 'n Schmunzeln verursachen. Ich bekam irgendwann im Frühjahr 2001 'nen Anruf von Ralf Nowy, den ich flüchtig aus der hannoverschen Musikerszene kannte, ob ich Lust hätte für RUNNING WILD 'n paar Songs einzuspielen. Meine spontane Antwort war: "Wie ... RUNNING WILD ... was ist das?" Ich bin dann am Abend zu denen hingefahren (zu Ralf und Katharina), sie haben mir ein paar Sachen vorgespielt und ich meinte ... "Ja, das gefällt mir. Klar, kann ich machen, wenn ihr das wollt". Dazu muss ich sagen, dass ich in den 70ern aufgewachsen bin mit Bands wie BLACK SABBATH, DEEP PUPLE, LED ZEPPELIN und URIAH HEEP, das Woodstock-Album, CROSBY, STILLS, NASH & YOUNG, JIMMY HENDRIX und 'ner Band namens NEKTAR (leider kennen die nicht so viele) usw. In den 80ern hab ich mich dann kaum noch mit der Entwicklung im härteren Sektor beschäftigt, weil ich meine Heroes hatte. Ausserdem hab ich dann auch viel aus der jazzigen Abteilung gehört und mich damit beschäftigt. Das ist auch der Grund - ist mir ja schon richtig peinlich - dass ich mich kaum in der heutigen Metal-Scene auskenne. In den 90ern ist mir dann schon wieder mehr in der Richtung aufgefallen: RAGE AGAINST THE MACHINE und ROLLINS BAND (vor allem der Song "Liar") z.B. ziehn mir die Schuhe aus. Als immer klarer wurde, dass es nicht nur um den Studiojob ging sondern auch ums live spielen, konnte ich mir die Frage nicht verkneifen, ob denen klar ist, dass ich noch nie beim Spielen den Fuss auf dem Monitor hatte und mit der Zunge gewedelt hab, und dass ich nicht tätowiert bin und dass ich keine drei Ampeg-Stacks habe usw. "Du wirst das schon richtig machen ..." war die Antwort. Ich konnt's kaum glauben. Was'n Glück! Das mit der Chemie hast du verdammt gut erkannt. Es ist einer jener Glücksfälle, wo es einfach sofort gestimmt hat. Man muss bedenken, dass ich Bernd z.B. vor der ersten Probe noch nie gesehen hatte. Mit Matthias hatte ich vorher schon öfter gespielt und wusste, dass das sehr gut geht mit uns beiden. Rolf hatte ich während der Aufnahmen zu The Brotherhood recht gut kennengelernt. Aber wie würde es sein, wenn wir zusammen spielen? Wir haben unser Zeugs aufgebaut, Matthias hat angezählt ("Welcome to Hell") ... und die Luft hat gebrannt!!! So war's. Ausserdem haben wir im positiven Sinne alle sehr viel Respekt vor einander. Das ist eine sehr gute Basis.

Welcher Song von RUNNING WILD gefällt dir persönlich am besten und warum?

"Uaschitschun". Das ist ein Indianerstamm, soviel ich weiss. Von einem von denen stammt der Ausspruch: "Erst wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fisch gefangen und der letzte Fluss vergiftet ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann". Solche Sprüche, habe ich den Eindruck, werden zur Zeit nicht besonders gerne gehört, weil es die "ich will ganz viel Spass haben"-Leute in ihrem Lebensgefühl irritiert. Man könnte ja nachdenken müssen, und das wäre uncool. Aber, scheisse, es steckt nunmal verdammt viel Wahrheit und Weisheit drin.

Es ist bekannt, daß du für Olaf Giebe bei Studio-Aufnahmen den Bass gespielt hast. Gibt es weitere bekanntere Music-Acts, die du im Studio oder live mit deinem Bass-Play unterstützt hast, oder hast du bisher eher bei unbekannteren bzw. lokalen Bands gespielt?

Es trifft's schon, dass ich vor RUNNING WILD in keiner richtig berühmten Band gespielt habe, jedenfalls in keiner, die weltweit bekannt ist. In den über 20 Jahren, in denen ich als professioneller Musiker unterwegs bin, hab ich jedoch ständig das Glück gehabt, mit wirklich tollen Leuten und tollen Bands spielen zu können. Das hat mich immerhin die letzten 20 Jahre ernährt, was viele Musiker, die mal 'ne Zeit lang in einer medienpräsenten Band gespielt haben, oft nicht von sich behaupten können. Um trotzdem mal 'n paar Namen zu nennen (die so unbekannt auch nicht sind): HEINZ RUDOLF KUNZE (ich spiele sein Musical "Ein Sommernachtstraum"), JUTTA WEINHOLD BAND (Ex ZED YAGO Frontfrau; hab ca. 3 Jahre in ihrer Band gespielt). Es war 'ne spannende und gute, zum Teil aber auch aufreibende Zeit, weil's immer wieder Komplikationen in der Band gab. HANNES BAUER ORCHESTER GNADENLOS (Gitarrist von Udo Lindenberg). Spiele manchmal vertretungsweise bei ihm. Ist immer lustig, weil wir natürlich nie geprobt haben und ich die ganze Zeit höllisch aufpassen muss, was eigentlich passiert. STEINWOLKE (hatte mal 'nen NDW-Hit "Katharine"; war nicht so ganz wirklich meine Musik, aber ich habe in dieser Band sehr gute Freunde gewonnen). STEVIE WONDER (war nur 'ne Session, macht sich aber trotzdem gut, der Name, oder ... haha ... ) und viele Bands, die im lokalen und überregionalen Bereich sehr angesehen sind oder waren ... (PURPLE PIRATES, MOULIN ROUGE, HAVANA, YOUR FAVOURITE THING - um nur einige zu nennen).

Fühlst du dich eher im Studio zu Haus oder gefällt es dir genauso gut oder sogar besser live zu spielen?

Was für eine Frage. Live ist's, worum es geht. Fast alle Aufnahmen von mir, die ich mir richtig gerne anhöre, sind Live-Mitschnitte. Gemessen an dem sind Studio-Recordings für mich fast schon sowas wie ein notwendiges Übel. Man muss allerdings sehen, dass es einfach zwei völlig unterschiedliche Dinge sind. Es gibt sehr viele Situationen, wo man keine andere Möglichkeit hat, als im Studio "sandwichmässig" aufzunehmen. Es ist nun mal nicht mehr so wie früher, als viele Bands zusammen auf 'nem Bauernhof gewohnt haben und den ganzen Tag bekifft und miteinander gejammt haben. Da ist es auch sehr hilfreich, dass mittlerweile fast alle Musiker schon brauchbares Recording-Equipment zuhause haben. Das erleichtert die Erarbeitung der Songs sehr. Wenn aber auch im Studio die Möglichkeit besteht, möglichst viel zusammen einzuspielen und nur einige Dinge zu overdubben, gebe ich dem den Vorzug.

Was war dein bisher schönstes Erlebnis als Musiker überhaupt und warum?

Das war ganz klar Wacken 2003. Wenn man als Musiker mal das Glück hatte, vor 30.000 Leuten als Headliner zu spielen, ist das einfach etwas unglaublich besonderes. Aber es war nicht das Konzert alleine. Auch die Autogrammstunde fand ich unglaublich. Da erzählen einem Leute, dass sie extra aus Griechenland, Portugal, Spanien, Italien, Russland, Brasilien, Kanada ... gekommen sind um einen zu sehen! Unfassbar! Wie geil!!!

Gib uns zum Abschluss bitte noch einen kurzen Einblick in das neue Album. Gibt es mittlerweile schon konkrete Song-Titel oder sogar komplette Songs, oder ist bis jetzt noch nichts spruchreif? Wird man evtl. auch einen Song von dir hören, den du geschrieben bzw. komponiert hast?

Ich kann euch leider noch gar nichts sagen, ausser das es zum Sommer hin erscheint. Rolf ist noch dabei, Songs zu schreiben. Er konnte mit der musikalischen Arbeit erst später anfangen als ursprünglich gedacht, weil's etwas länger gedauert hat, sein Studio einzurichten. Er ist aber munter dabei und hat wohl so ca. 20 Songs in petto, auf die ich genauso gespannt bin, wie ihr. Rolf ist offen dafür, dass die anderen Bandmitglieder Songs beisteuern. Wenn ich eine gute Idee haben sollte (manchmal hab ich welche), werde ich sie ihm vorschlagen und werde sehen was er davon hält. Bin dann aber auch nicht enttäuscht, wenn er sie ablehnt.

Vielen Dank für deine Fragen, Jens, hab sie sehr gerne beantwortet.
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