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02/2010     Jens Pohl   Thomas Smuszynski     (English Version)


Moin Bodo! Nun ist RUNNING WILD tatsächlich Geschichte und seit der letzten Show in Wacken im Sommer letzten Jahres ist etwas Zeit vergangen, Zeit, in der du dir, wie jeder andere sicherlich auch, Gedanken darüber gemacht hast, was diese Band erreicht hat und vielleicht auch, welche Rolle du selbst dabei gespielt hast. Denkst du, dass Rolf mit RUNNING WILD wirklich alles das erreicht hat, was er wollte, oder hätte die Band noch einen viel größeren Status erlangen können?

Das sind ja gleich mehrere Frage auf einmal... Zuerst einmal muss ich gestehen, dass ich mir über das Ende von RUNNING WILD bisher nicht allzu viele Gedanken gemacht habe. Aber was hat RUNNING WILD erreicht? Ich denke RUNNING WILD waren bis dato eine der dienstältesten deutschen Heavy-Metal-Bands und haben mit Sicherheit etliche andere Bands beeinflusst. Meine Rolle dabei? Hmmm, ich denke ich war am längsten von allen Musikern dabei - gute neun Jahre, glaube ich. Hat jemand mehr Alben gespielt als ich? Es waren insgesamt fünf, oder? Insofern war ich die größte Konstante in der Bandgeschichte. Das spricht wohl irgendwie auch für mich, sowohl menschlich als auch als Musiker. Als Bassist aber hat Jens Becker wahrscheinlich den größeren Kult-Faktor bei RUNNING WILD, was für mich allerdings absolut OK ist. Ich kenne Jens, der ist in Ordnung, und ich respektiere seine Bass-Arbeit sehr. Jens hat geile Sachen für RUNNING WILD gezockt, überhaupt keine Frage. Und was ist mit den anderen ehemaligen Musikern? Ich denke, dass ein Majk Moti bei den Fans einen guten Status hatte. Mit Stefan Schwarzmann hatte ich ja vor meiner Zeit in der Band schon ca. vier geile Jahre bei U.D.O., und ansonsten halte ich die Besetzung und die Alben mit Jörg Michael, Thilo Herrmann und mir für die stärksten. Ich hoffe diese unbescheidene Antwort wer mich kennt weiß, dass dies eigentlich nicht mein Stil ist - nimmt mir keiner übel. Du hattest mich um ehrliche Antworten gebeten... (lacht) Ob Rolf erreicht hat was er wollte? Das müsste man Rolf selbst fragen. Ich denke aber schon, dass Rolf das erreicht hat, was er wollte, da er ja mehr hätte machen können, z.B. viel mehr Konzerte in viel mehr Ländern geben. Ob die Band hätte einen größeren Status erreichen können? Davon bin ich absolut überzeugt! Die Band hätte einen sehr viel größeren Status erreichen können, wenn Rolf noch mehr gemacht hätte...

Was ging in dir vor, als du zum ersten Mal davon gehört hast, dass Rolf einen Schlussstrich unter RUNNING WILD setzen wollte, und was denkst du jetzt im Nachhinein darüber, nachdem die letzte Show gespielt und der Vorhang gefallen ist?

Sagen wir so, für mich ist im Nachhinein mit dem Schlussstrich von RUNNING WILD nicht wirklich eine Welt zusammengebrochen, denn meinen persönlichen Schlussstrich hatte ich ja schon viele Jahre früher gezogen. Die Fans haben mir etwas leid getan, und einige haben sich ja auch ziemlich vor den Kopf gestoßen gefühlt. Aber das lag wohl an der recht spontan geplanten oder leider viel zu spät angekündigten letzten Show in Wacken. Ich denke man hätte den Fans als Dank für die vielen Jahr Support schon eine kleine, richtig geile Abschiedstournee bieten sollen. Aber wenn schon nur eine letzte Show in Wacken, dann hätte ich zumindest versucht so viele ehemalige Bandmitglieder wie möglich auf die Bühne zu bringen, und so die ganze Geschichte der Band zu dokumentieren. Die Besetzung auf Wacken war zudem ja keine wirkliche RUNNING WILD-Besetzung. Das war meiner Meinung nach auch sehr schade.

Was hast du dabei empfunden, als dich Rolf, gemeinsam mit Jörg Michael und Thilo am Ende der Show ganz besonders hervorgehoben hat?

Ich habe das bis heute ehrlich gesagt weder gesehen noch gehört, aber natürlich hat man mir davon erzählt. Sicher freut es mich, dass mein langjähriges Engagement, meine Konstanz und Loyalität, sowie die in meinen Augen stärkste RUNNING WILD-Besetzung am Ende doch noch gewürdigt wurde. Auf der anderen Seite hätte ich mich sicherlich über einen persönlichen Dank von Rolf mehr gefreut, gerade auch vor dem Hintergrund meines damaligen, wirklich respektlosen und unbegründeten Rausschmisses. Aber Schwamm drüber, das ist lange her! Wie gesagt, ich hab mich sehr darüber gefreut, dass Rolf Jörg, Thilo und mich extra hervorgehoben hat, und damit ist alles so in Ordnung wie es ist.

Bist du eigentlich zufrieden mit dem was du mit der Band erlebt hast, abgesehen davon, dass du nach der "Victory" gehen musstest?

Ja, absolut! Ich hatte neun tolle Jahre bei RUNNING WILD. Die Shows waren immer aufwendige Produktionen und immer ausverkaufte Hallen, zumindest zu meiner Zeit. Und meine Mitmusiker waren immer super und auch menschlich in Ordnung. Wir hatten sehr, sehr viel Spaß, besonders mit Jörg und Thilo. Auch mit Rolf bin ich wie gesagt immer prima klar gekommen. Ich mochte seinen subtilen Humor. Zudem hatte ich den Eindruck, dass er mit mir eigentlich auch gut klar kam, und das hat er später ja auch in irgendeinem Interview mal erwähnt.

Hat dich die damalige Entscheidung eigentlich in irgendeiner Art und Weise verbittert?

Verbittert? Definitiv nicht! Ich war im ersten Moment natürlich persönlich sehr enttäuscht, weil ich meinen Rausschmiss als ungerechtfertigt empfunden habe, und die Art und Weise respektlos war. Verbittert war ich aber zu keiner Zeit. Ich habe zu der Zeit ja auch schon bei meiner jetzigen Cover-Band BOURBON STREET (www.bourbon-street-online.de) gespielt, und die Jungs sind gute bzw. meine besten Freunde und auch sehr gute Musiker. Wir spielen ohne Zwang nur das, was uns gefällt, und feiern bei jedem Gig unsere eigene Party. In meiner ganzen Profi-Zeit hat mir das Spielen mit einer Band nicht immer so viel Spaß gemacht, wie mit meinen BOURBON-Jungs.

Hast du dir eigentlich die Alben nach der "Victory" noch angehört? Wie haben dir "The Brotherhood" und die "Rogues En Vogue" gefallen?

Das klingt jetzt blöd, aber ehrlich gesagt: Nein, ich habe mir keines dieser Alben angehört und kann deshalb auch nichts dazu sagen. Sorry.

Kannst du dir eigentlich ein Comeback vorstellen? Oder bist du der Meinung, wenn Rolf erst einmal eine Entscheidung gefällt hat, dass er auch für immer und ewig dabei bleibt?

Never say never. Ich will sagen, ein Comeback von RUNNING WILD kann ich mir absolut und gut vorstellen. Vielleicht wird das Leben ja doch mal langweilig, so ganz ohne Metal... (lacht)

Mal angenommen es gibt tatsächlich ein Comeback. Wie könnte das musikalisch klingen? Unverändert? Eher im Hard- und Heavy-Rock und Metal angesiedelt, oder doch wieder etwas härter und schneller, wie auf früheren Alben?

Ich denke ein Comeback hätte nur Sinn, wenn die Band wie RUNNING WILD klingt. Damit meine ich einen Querschnitt der RUNNING WILD-Historie, und zwar natürlich auch mit härteren und schnellen Krachern mit Piraten-Melodien und Style, aber auch mit diesen typischen Stampfern und Hard- und Heavy-Nummern.

Du spielst neben deinem Job immer noch mit BOURBON STREET und hast 'ne Menge Spaß dabei. Hast du nicht mal daran gedacht, doch nochmal eine Nummer größer aufzutreten? Ich meine, Majk Moti will mit WILD KNIGHT wieder hoch hinaus und auch der Preacher hat eine neue Band namens THE GATE gegründet, die musikalisch an alte RUNNING WILD-Klassiker anschließen soll. Und Thilo war ja kurzzeitig auch bei GRAVE DIGGER dabei...

Ha Ha, jetzt muss ich doch ein wenig schmunzeln... Hoch hinaus im Musikgeschäft wollen alle... Und was heißt "eine Nummer größer auftreten"? Mit BOURBON STREET spielen wir regelmäßig ca. 15 - 20 Konzerte jedes Jahr. Das ist also wesentlich regelmäßiger und mehr, als es mit RUNNING WILD für mich der Fall war, und ich denke das gilt auch im Vergleich zu den Bands, die hoch hinaus wollen... (lacht) Wenn wir bei uns in der Gegend selber Konzerte veranstalten, dann kommen immer gerne mehr als 350 Leute. Diesen Schnitt muss eine "hoch hinaus wollende" Band erst einmal bringen...! Zudem spielen wir auch jedes Jahr immer wieder (Open Air) Gigs mit mehr als 2000 Zuschauern. Also wie hoch hinaus soll ich denn wieder wollen? Das einzige was ich nicht habe, ist mein Gesicht und meinen Namen im Metal Hammer oder Rock Hard. Aber sei dir versichert, ich komme damit extrem gut klar... (grinst) Das liegt vielleicht auch daran, dass ich niemandem mehr irgendetwas beweisen muss. Ich habe mit DARXON, U.D.O, AXEL RUDI PELL und RUNNING WILD insgesamt 10 oder 11 Alben aufgenommen, die allesamt sehr erfolgreich waren. Ich war über Jahre hinweg auf Tour, u.a. sechs Wochen als Support für OZZY OSBOURNE, und ich habe zumindest in Europa alle Clubs und groß Hallen gespielt, die es gibt...und das mehrfach. Das ist doch alles nicht mehr zu toppen. Außerdem, wie gesagt, spiele ich mit viel Freude bei BOURBON STREET mit meinen Freunden genau die Musik, die mir gefällt. Nichtsdestotrotz alles Gute und viel Erfolg für Majk und Preacher, ganz klar!

Vielen Dank, Bodo, für das Interview!

Ich danke meinerseits, denn so viele Interviews gebe ich ja nicht mehr und die Antworten auf die Fragen sind eine gute Gelegenheit zur Reflektion hinsichtlich vergangener und aktueller Tage. Das fand ich gut und es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich hoffe die Fans können erkennen, dass es mir auch ohne RUNNING WILD prima geht, und dass ich ohne Verbitterung auf viele gute Jahre mit der Band zurückblicke, und auf die ich natürlich auch sehr stolz bin! Auch noch einmal ein großes Danke an alle RUNNING WILD-Fans! Ich erinnere mich gerne an dieses geile, treue und loyale Publikum! Keep on rockin´ for a free world!
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